Tuesday, November 18, 2008

Mariechen

Meine Großmutter Mariechen ist eine bemerkenswerte Frau.
Meine frühen Kindheiterinnerungen schließen Sie unbedingt mit ein. Ihre Art ist unnachahmlich: in meinen Augen ein Original. Ihre wichtigen Sätze beginnt Sie mit: " Das will ich dir sagen..."
Sie hat dieses Haus in Bad Schwartau, es ist der Mittelpunkt meiner Familie. Der Ort an dem sich die Familie immer wieder zusammenfindet. Zuletzt war ich anlässlich der Hochzeit meines Cousins dort ( seine erste ). Ich habe meinem Bruder, der mal wieder keine Zeit hatte, gesagt, daß es etwas mit Respekt zu tun hat, zu dieser Familienfeier zu erscheinen.

Meine Gedanken schweifen zurück in Kinder Tage, die wieder aufleben wenn ich meine Oma besuche. Die kurze Treppe ins Treppenhaus, vorbei an der Kommode. Vorfreude habe ich bei dem Gedanken empfunden , wieder den Pudel in Händen halten zu können. Ein Pudel mit einem wundersamen rätselhaften Innenleben, das ihm ermöglichte die Lieder, den Kopf und den Schwanz zu bewegen, während dazu ein Glockenspiel " Guten Abend gute Nacht" intonierte. Ein frühes Wunder das ich nie zu lüften gewagt habe. Meine angeborene Neugier hat danach verlangt die Mechanik zu sezieren, aber der Respekt vor Omas Pudel war doch zu groß. Dieser Pudel hatte seinen Platz in der rechten Seitentür einer Musiktruhe. Einem Möbel, das außer einem Plattenspieler nebst Schellackplatten und einem Radio, auch einiges an Spielzeug und Spielen verbarg.
Weiter in ihre Wohnung, dem kleinen Flur, über dicke Teppiche ins Wohnzimmer.
Diese Pracht ! Das Zimmer hat ein riesiges Fenster zur Lübecker Straße; immer verblumt - nie verwaist. Der mächtige Esstisch, der zu Weihnachten und anderen Feierlichkeiten zur Tafel wurde. Die schönen Stühle mit und ohne Armlehnen. Die Vitrine mit Gläsern und Porzellan - und jener kleinen nackten Ballerina auf einer Goldkugel - für meine Augen eine Ausgeburt an weiblicher Schönheit und Anmut, die immer wieder meinen bewundernden Blick fing. Rechterhand das ebenso massive wie fein bearbeitete Buffet, aus dessen mächtigem Bauch allerhand nützliches entnommen wurde.Daneben ein schmaler Sessel mit einer Stehlampe, dafür geschaffen in ihrem Schein zu lesen. Dann die Couch, mit Tisch und Sesseln, auf der Oma für gewöhnlich nachmittags saß und Patiencen legte; endlos und mühelos immer nach einem Weg suchend. Dem richtigen Weg. So habe ich ihr Spiel empfunden. Ich schaue immer zu ihr auf, wie zu meinen frühen Tagen, obschon ich sie um einiges überrage. Wenn ich Oma mit Eigenschaften beschreiben wollte fallen mir ein: Gerechtigkeit, Güte und Geduld. Ihrer Weisheit beugt sich mein Verstand. Wer so lange lebt und soviel erlebt hat, dem gibt das Leben immer Recht.
Oma hat auch auf meine Kinder diese Wirkung; ich denke es liegt in ihrer Natur. Ich lausche auch heute noch gern ihren Erzählungen, sie sind authentisch.
Während ich dies schreibe, überkommt mich ein Bedauern, mir nicht mehr Zeit genommen zu haben, ihr zuzuhören. Ich freue mich auf deinen 99 ten.
Ich wünsche mir daß ich noch einige Gelegenheiten bekomme.

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